Page 4 - WKW Dorfhain
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1923 gründete sich aus dem bereits 1897 entstandenen 'Elektrizitätswerk für den Plaunschen Grund' die 'Kraft‐
        werke Freital AG'. Diese hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Stadt Freital sowie die Städte und Dörfer in seiner 
        näheren und weiteren Umgebung (1925 gab es bereits 35 Ortschaften mit circa 75000 Einwohnern) mit Elektrizität 
        zu versorgen. 

        Zu dem System dieses Versorgungsbetriebes gehörten neben dem Hauptwerk Freital auch vier Unterwerke: Rabe‐
        nauer Grund, Talsperre Malter und Klingenberg und nicht zuletzt das Unterwerk Tharandt. 

        Das Kraftwerk Tharandt wurde 1924‐ 1926 erbaut. 

        Bereits am 22.10.1920 bat das 'Elektrizitätswerk für den Plaunschen Grund' das Bergbauamt um einen Grubenriss 
        der Stollengänge, weil es zwischen Edle Krone und Tharandt eine 'Wasserkraftanlage' mit einem Stollen, von der 
        Weißeritz links abzweigend, bauen wollte. 

        Mit diesem Wasserstollen wollte und durfte man natürlich keine Bergstollen anfahren, wenn die Wasserkraft voll 
        auf die Turbinen geleitet werden sollte. Ob längere Vorarbeiten oder die Inflation den Bau verzögerte ist nicht 
        genau zu sagen. Jedenfalls wurde erst im Frühjahr 1924 nach Stabilisierung der Mark mit dem Bau des 3,5 km 
        langen Wassertunnels durch eine Würzburger Firma mit bayrischen Spezialarbeitern begonnen und noch im glei‐
        chen Jahr am 3. Dezember der Durchbruch erzielt. 

        Danach wurden hinter der Niedermühle Dorfhain die notwendigen Bauten errichtet. 

        Es wurde ein Teich angelegt, der das Wasser der Weißeritz auffängt und über Schieber in den Stollen einspeisst. 
        Der Stollen führt bis zum Wasserschloss Tharandt. (Bilderdokumentation) 

        Im Jahre 1935 begannen die Projektierungsarbeiten zur Erweiterung des Systems zur Ausnutzung der Wasserkraft 
        der Talsperre Klingenberg. 

        Am 5. Januar 1938 wurde in eine Reihe von Grundbuchblättern Dienstbarkeiten zu Gunsten der Dresdner Gas‐, 
        Wasser‐ und Elektrizitätswerke AG (Drewag) eingetragen, die einen Stollen für eine Druckrohrleitung bauen und 
        Kabel zwischen der Klingenberger Talsperre und einem Kraftwerk hinter der Niedermühle legen wollte. 

        Mit dem Besitzer der Niedermühle, Fritz Wagner, wurde am 14. Mai 1939 ein neuer Vertrag geschlossen. Die 
        Baumassen wurden auf dem, dem Niedermüller gehörigen, Flurstück 952 a abgelagert, eingeebnet und besät, so 

      daß dem Müller ab 1940 die Nutzung des Grases wieder möglich war. 

        

       GRÜNDE FÜR DEN BAU 
         
        Immer wieder wird vermutet, dass die Elektroenergiegewinnung den Ausschlag für den Bau des Dorfhainer Was‐
        serkraftwerkes gegeben hat. Dem war jedoch nicht so. 

        Es stimmt zwar, dass die Wasserkraft, welche die Mühlen im Weißeritztal (Mahnsmühle, Hosenmühle, Winkel‐
        mühle und Barthmühle) besaßen, durch moderne Technik abgelöst werden sollte, der Hauptgrund war jedoch die 
        immer stärkere Zunahme des Wasserbedarfs der Stadt Dresden in den 30er Jahren. Dies führte dazu, dass die 
        Kapazität der drei Grundwasserwerke nicht mehr ausreichte und der Bau eines vierten Wasserwerkes unerlässlich 
        geworden war. Da die Verschmutzung der Elbe immer weiter zunahm, wurde der Bau eines vierten EIbwasserwer‐
        kes ausgeschlossen. 

        Die Hauptwasserversorgung der Stadt Dresden sollte mit Talsperrenwasser aus dem Gebiet der Wilden Weißeritz 
        erfolgen. 

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