Page 5 - WKW Dorfhain
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Die Vorbereitung für das Projekt ‚Talsperrenwasserversorgung der Stadt Dresden' begann bereits 1927. 

        Es sollte ein ‚... der Volksgesundheit dienendes Werk...‘ errichtet werden. Dieses Großbauvorhaben sollte mit ei‐
        nem Kostenaufwand von über 20 Millionen Reichsmark durchgeführt werden. 

        Als günstige Lage für das neue Wasserwerk wurde der Platz am Achtbeeteweg in Coschütz ausgewählt. 

        Die durchschnittliche Wasserabgabe der Talsperre Klingenberg wurde mit 75000 Kubikmeter angegeben, eine 
        Steigerung bis 120000 Kubikmeter wurde vorausgesagt. 

        Das Projekt der Wasserversorgung aus der Weißeritztalsperre macht auch den Bau der zweiten Talsperre, der 
        Lehnmühle, 10 km oberhalb der Talsperre Klingenberg vertretbar. Die Talsperre Lehnmühle wurde von 1929‐1932 
        erbaut. 

        Da die Weißeritzmühlen alle eine eigene Wasserversorgung besaßen und mit kleinen Kraftwerken und Generato‐
        ren ihren eigenen Strom erzeugten, mußte die Energiewirtschaft ihnen das Wasser abkaufen, um den Trinkwas‐
        serbedarf Dresdens zu decken. Dafür garantierten sie den Mühlen kostenlosen Strom, der eigentlich nur ein Ne‐
        benprodukt des Dorfhainer Wasserkraftwerks war. 

        Nach der Fertigstellung des Rohr‐ und Stollensystems flossen nur noch 40 Liter Rohwasser pro Sekunde über die 
        Weißeritz, um das Ökosystem zu erhalten. Der Großteil des Wassers lief jedoch nicht mehr über die Weißeritz, 
        welche den Druck bremste. Der aus der Höhendifferenz von 58 m zwischen Klingenberg und Dorfhain anstehende 
        Wasserdruck von 6 Atmosphären musste anderweitig reduziert werden. 

        Möglich wäre eine Drosselung über Schieber gewesen, was aber eine Energieverschwendung bedeutet hätte. 

        Man entschied sich daher außer den bereits vorhandenen Wasserkraftwerken Klingenberg und Tharandt ein wei‐
        teres Wasserkraftwerk mit Standort in Dorfhain zu errichten und den einmal vorhandenen Wasserdruck zur Erzeu‐
        gung von Strom zu nutzen. 

        Der erzeugte Strom wurde über ein 10kV‐Erdkabel vor allen Dingen für die Versorgung der Firma 'Ellinger und 
        Geißler' und deren Villen in Dorfhain, die Barthmühle in Dorfhain und für Grillenburg und untere Teile Höcken‐
        dorfs genutzt, der Rest an Spannung (Strom) der übrig war wurde nach Freital geschickt und für die Straßenbahn 
        verwendet. 

        Damals wie heute erfolgte die Stromerzeugung durch den Wasserdruck. Dieser trifft auf die zwei Francis‐
        Spiralturbinen aus St. Plöten/Österreich auf, die ihrerseits je einen Siemens‐Schuckert Asynchrongenerator mit 
        650 kW antreiben. Turbinen und Generatoren sind durch liegende Wellen miteinander verbunden. Das in Dorfhain 
        freigewordene Wasser wird in den 1924‐1926 erbauten Stollen III eingespeisst und treibt nach 74 m Gefälle die 
        Turbinen des Wasserkraftwerkes in Tharandt an. 

        Von dort fließt es dann durch einen weiteren Stollen nach Coßmannsdoff und wird danach über Rohrsysteme und 
        teilweise in Stollen zum Wasserwerk Dresden‐Coschütz gebracht, wo es zu Trinkwasser aufbereitet wird. 

        Der normale Durchfluss beträgt 1000 Liter Rohwasser je Sekunde im freien Gefälle. Erst bei einem Bedarf von 1000 
        bis 1500 Liter je Sekunde müssen in Freital‐Burgk Druckerhöhungspumpen in Betrieb genommen werden, die das 
        Wasser bis in das 213 m hochgelegene Coschütz nachdrücken. 

        Früher wurde das Wasser vom Klingenberger Werk, welches seit 1914 zweimal 400 kW elektrische Leistung erzielt, 
        in die Weißeritz abgeschlagen und in den Dorfhainer Teich geleitet. Dieser Teich wurde durch die Rohr‐ und Stol‐
        lensysteme überflüssig. Er wurde deswegen aber nicht beseitigt, sondern erhält noch bis heute den äußeren Ein‐
        druck. Außerdem stellt der Teich ein wertvolles Feuchtbiotop mit seltenen Pflanzen und Tieren (z.B. Wasseramsel, 
        Eisvogel, Bachstelze) dar. 

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